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US-Politvordenker Kagan: "Russland und China betrachten den W...

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Saved by 3 people (0 private), first by anonymouse user on 2008-07-16


Public Sticky notes

Zum Beispiel wurde angenommen, das Internet werde China öffnen. Vielleicht geschieht das noch; derzeit nutzt die chinesische Regierung aber das Internet, um potenzielle Dissidenten zu identifizieren und zu kontrollieren – und das oft mit Hilfe westlicher Unternehmen. Die Vorhersage, das Internet würde quasi von selbst Freiheit in China erschaffen, hat sich bisher nicht bewahrheitet.

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Länder wie Russland oder China sind altmodische Nationalstaaten, die sich wie altmodische Nationalstaaten verhalten. Das ist doch die Überraschung! Man glaubte, wir bewegen uns weg vom Nationalstaat und damit auch von den Großmächten und deren Konkurrenz untereinander. Aber wenn Sie sich auf der Welt umschauen, sehen Sie: Es gibt Großmächte - und es gibt einen Wettkampf dieser Großmächte.

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Kagan: Die gute Nachricht für Afrika ist, dass viel Geld dorthin fließt. Die USA und Europa stellen Hilfe bereit, um die Korruption und Über-Zentralisierung von Macht in manchen Ländern loszuwerden. Die Chinesen kommen rein und stellen im Grunde Geld ohne Konditionen zur Verfügung. Die Frage ist: Welchen Effekt hat dieser Geldfluss? Hilft er, notwendige Reformen in Afrika durchzusetzen, oder wirft er sie zurück? Es gibt viele Bedenken in Europa bezüglich der Tendenz der Chinesen, mit Diktatoren zusammenzuarbeiten – zum Beispiel mit Mugabe. Welche Effekte wird dies auf die Entwicklung Afrikas haben?

SPIEGEL ONLINE: Welchen Effekt wird es auf den Kampf zwischen den Großmächten haben?

Kagan: Afrika – das ist wahrscheinlich die Schattenseite – wird wieder eine Arena der Konkurrenz werden, besonders durch das Vorrücken der Chinesen. Welche Folgen das haben wird, weiß ich nicht. Die imperialistische Konkurrenz der Vergangenheit, als Länder Kolonien gründeten, wird sich nicht wiederholen. Vielleicht ist der Wettbewerb sogar gesund für Afrika; wir müssen es abwarten.

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SPIEGEL ONLINE: Wenn auf der einen Seite ein Bund der Demokratien steht, finden wir dann auf der anderen einen Bund der Autokratien?

Kagan: Den haben wir bereits. Die Shanghai Cooperation Organisation (SCO) wurde von China und Russland gegründet, um dem wachsenden Einfluss der Demokratien in Zentralasien zu widerstehen. Bezeichnenderweise wird in russischen Zeitungen auf die SCO als Anti-Nato oder den Warschauer Pakt Zwei verwiesen. Die Autokratien handeln längst gemeinsam in vielen Dingen: Wenn man sich die Abstimmungen im Sicherheitsrat ansieht – ob es um Burma, Darfur, Simbabwe oder den Iran geht –, sieht man häufig Übereinstimmungen. Die Demokratien stimmen in eine Richtung ab, Russland und China in die andere. Autokratien wie Russland und China wollen ihre Autokratie erhalten, sie betrachten den Westen als feindlich.

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